Hard Candy

“Jeff. Playtime is over!”

Spätestens bei diesen Worten sollte einem klar sein, dass man sich mit “Hard Candy” keinen einfachen Film ausgesucht hat. Stattdessen darf man sich ab dieser Szene auf mehr als eine Stunde unbequemes Katz- und Mausspiel, Folter und Gewalt vorbereiten. Denn so freundlich die Hauptcharaktere, eine 14-jährige Schülerin und ein signifikant älterer Fotograph, auch auf den ersten Blick wirken mögen, sie haben es beide Faustdick hinter den Ohren. Und so kommt es zum Aufeinandertreffen einer selbstdeklarierten Wahnsinnigen mit einem ungeständigen Pädophilen.

Eine solch außergewöhnliche Kombination fordert natürlich auch dementsprechend außergewöhnliche schauspielerische Leistungen – und diese liefern sowohl Patrick Wilson (Watchmen) als auch Ellen Page (Inception). Beide porträtieren ihre Charaktere absolut glaubwürdig und zeigen so, dass auch ein Billigfilm (für Hollywood-Verhältnisse) überzeugende Schauspieler haben kann. Sie sind zwar die einzigen Schauspieler, die wirklich Text haben, doch gerade durch die Konzentration auf 2 Personen kommt es erst zu der unglaublich mitreisenden Dynamik zwischen den beiden Hauptrollen.

Aber zurück zum Film: Dieser übertritt, wie die Einleitung bereits vermuten lässt, einige Grenzen dessen, was manch Zuseher als “guten Geschmack” bezeichnen würde. Dabei werden jedoch nicht stumpf Tabus gebrochen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Die Handlungen der Hauptdarsteller waren zumindest für mich zwar teilweise überraschend, aber im Nachhinein immer nachvollziehbar, und jede Aktion zieht auch eine Konsequenz nach sich.

Genau diese Konsequenzen konnte die Regie aufgrund des knappen Budgets wohl bei einigen Szenen nicht ziehen, was dazu führt, dass man dem Film deutlich ansieht, dass er in gerade einmal 18 Tagen gedreht wurde. Sei es aufgrund eigenartiger Kameraarbeit oder plötzlicher Belichtungswechsel – einige Szenen hätte man auch gerne noch ein drittes- oder viertes mal drehen können. So wandelt Hard Candy zwischen wunderbar stimmigen Kameraperspektiven und Shaky Cam; Ein Umstand, der zwar auffällt, aber nicht wirklich von der eigentlichen Handlung ablenkt.

Alles in Allem würde ich Hard Candy jedem empfehlen, der kein Problem mit unbequemen Filmen hat, die zum Nachdenken anregen und in denen die Rollen des Guten und Bösen nicht von Anfang an klar vergeben sind. Ich persönlich mag solche Filme, weshalb mir Hard Candy aussergewöhnlich gut gefallen hat.

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