Audiokomprimierung: Ein Selbsttest
Wenn es um Audioqualität geht, gehöre ich zu den Menschen, die eigentlich nie zufrieden sind. Im Moment liegen 4 Kopfhörer auf meinem Schreibtisch – 2 In-Ears, 2 Große mit Bügel; Meine Musikanlage ist eine Eigenkombination aus 2 älteren Stereo-Anlagen und einer 5.1-Anlage. Und obwohl ich keine vergoldeten Kabel kaufe, war ich jahrelang davon überzeugt, komprimierte Musik blind von unkomprimierter unterscheiden zu können. Da mir aber schön langsam der Speicherplatz ausgeht, habe ich beschlossen, diese Fähigkeit zu testen, um herauszufinden, ob ich nicht doch auf AAC-Dateien umsteigen kann.
Der Test
Für diesen Test habe ich 10 Lieder ausgewählt, jedes in 128 und 256 kbit/s AAC sowie unkomprimiert (zwischen 800 und 1100 kbit/s) angehört und dann versucht, sie richtig zuzuordnen. Danach habe ich sie noch einmal gehört, diesmal wissend, welche Versionen die komprimierten sind. Ich habe hierbei bewusst nicht ein THX-zertifiziertes Lautsprecherset in einer Studioumgebung getestet. Stattdessen habe ich die Musik so gehört, wie ich sie 90% der Zeit genieße: Mit meinen Ultimate Ears Super fi.5 In-Ear Kopfhörern. Und meine Vermutung wurde zumindest teilweise bestätigt: Ich konnte jede 128 kbit Version sofort erkennen. Bei den 256ern wurde es allerdings bereits schwerer. Hier sind meine Ergebnisse:
Dropkick Murphys – The Gauntlet
Die AAC-Version rauscht bei lauten Stellen, Artefakte sind deutlich hörbar.
Metallica – All Nightmare Long
Der AAC-Version fehlt etwas Dynamik, der Unterschied ist allerdings kaum hörbar.
Billy Talent – Fallen Leaves
Die Kompression ist vor allem beim Schlagzeug deutlich hörbar. Der Drummer wird sich freuen!
Bob Dylan – The Times Are A-Changin’
Kein Unterschied hörbar.
Daft Punk – Derezzed
Kein Unterschied hörbar.
Soap and Skin – DDMMYYYY
Die AAC-Version ist im Bass etwas detailarm, der Unterschied ist allerdings nur bei mehrmaligem Wiederholen hörbar.
Blues Traveler – Hook
Kein Unterschied hörbar.
Green Day – Homecoming
In der Lossless-Version setzt bei 0:50 das Schlagzeug ein, bei der AAC-Version kommt zusätzlich noch Rauschen dazu.
Nightwish – Phantom of the Opera
Bei lauteren und komplexeren Stellen sind deutlich Artefakte hörbar, aus einzelnen Instrumenten wird ein gemeinsamer “Brei” von Klängen.
Ludwig van Beethoven – 9. Sinfonie, 2. Satz
Der AAC-Version fehlt etwas Dynamik, der Unterschied ist allerdings kaum hörbar.
Schlüsse
AAC ist ein extrem guter Audiocodec – nur bei 2 Musikstücken konnte ich störende Artefakte erkennen. Bei den meisten Songs äußert sich die Kompression nur durch fehlende Details oder einer etwas eingeschränkten Dynamik – beides Symptome, die zumindest mir nur dann auffallen, wenn ich aktiv danach suche. Bei nicht allzu komplexer Musik ist überhaupt kein Unterschied erkennbar.
Ich schließe daraus, dass ich meine Zweifel bezüglich AAC aufgeben kann. Ich werde meine unkomprimierte Musik zwar bestimmt nicht löschen, kann mir aber durchaus vorstellen die Originale am Fileserver zu archivieren und nur die AAC-Versionen dabei zu haben.
Wie geht es euch mit komprimierter Musik? Habt ihr empfindliche Ohren oder reichen euch die weißen Apple-Kopfhörer und Musik von Youtube? Bei welcher Kompressionsrate liegt bei euch die “Schmerzgrenze”, also der Punkt, an dem ihr euch nicht mehr auf die Musik konzentrieren könnt, weil die Artefakte zu sehr stören?