Gedanken zum Nationalfeiertag
25 Gründe, Österreich trotzdem zu mögen
So titelt heute anlässlich des Nationalfeiertages eine regionale Zeitung. In dem Artikel kommen dann Prominente aller Gebiete zu Wort, deren Statements folgendem Muster entsprechen:
“Ich weiß, dass X in Österreich schief läuft, aber ich finde das Land trotzdem toll, und zwar wegen der Berge/der Seen/weil ich schon immer hier war.”
Sind solch weichgespülte Platzhaltertexte wirklich das Kritischste, das eine Zeitung an einem Feiertag zu schreiben wagt? Außerdem: Berge und Seen hätten wir auch, wenn wir Teil von Italien wären. Am Nationalfeiertag geht es um die NATION Österreich, nicht die Landschaft; Sonst wäre es der Landschaftsfeiertag. Und “weil es schon immer so war” lasse ich generell nicht als Begründung gelten, denn genau die Leute, die mit der aktuellen Situation nicht zufrieden waren, sind die, wegen denen es uns heute so gut geht.
Deshalb präsentiere ich
5 Dinge, die man in Österreich auch heute nicht gutreden sollte
- Korruption. Anhand der aktuellen Korruptionsaffären frage ich mich ernsthaft, welches Mitglied der regierenden Parteien nicht käuflich ist.
- Stillstand: Regierende Politiker sind offenbar unfähig, auch nur die kleinste Veränderung zu riskieren. So kommt man zu Lösungen wie z.B. einer Bildungsreform, die darin besteht, Hauptschulen in Neue Mittelschulen umzubenennen (wofür man übrigens einen jahrelangen Schulversuch brauchte)
- Bundesheer: Der Nationalfeiertag ist am Tag der Neutralitätsbekundung, und was präsentieren wir an diesem Tag? Unsere stehende Armee. Und als ob das nicht schon absurd genug wäre, muss auch noch jeder 18-jährige dorthin, sofern er sich nicht explizit für den Zivildienst meldet, welcher allerdings um die Hälfte länger dauert. Der einzige Zweck, den ein Heer meiner Meinung nach in einem neutralen Land ohne Schengen-Außengrenze einnimmt, ist der Katastrophendienst. Und einen solchen kann man auch ohne Schusswaffen, Abfangjäger und Panzer betreiben.
- Integration: Aktuelle Umfragen geben der FPÖ bis zu 30%. Noch Fragen?
- Religion: Die katholische Kirche erhält nicht nur jährlich Millionen vom Staat und darf Missbrauchsfälle unabhängig von normalen Gerichten behandeln, es hängen auch immer noch Kreuze in allen Schul- und Kindergartenklassen. Ich verstehe etwas anderes unter der Trennung von Kirche und Staat.
Ja, unsere Berge, Seen und Burgen sind etwas, auf das ich stolz bin, und das ich gerne herzeige. Ja, ich glaube, dass es mir in Österreich vergleichsweise gut geht. Nein, das heißt nicht, dass man akute Probleme einfach ignorieren sollte, weil heute nationaler “Wir sind ja so toll”-Tag ist.