Irgendwie verfolgte mich Dark City. Zuerst versäume ich ihn auf ARTE, dann wird er mir auf Goodfil.ms empfohlen, und dann schreibt auch noch der Nasendackel drüber. Da blieb mir eigentlich gar nichts anderes übrig, als mir den Film (im Directors Cut) anzusehen – und eines kann ich bereits jetzt sagen: Dark City war wohl Inspiration für so manch anderen bekannten Sci-Fi-Film, ist selbst allerdings leider viel zu unbekannt.
Aber der Reihe nach: Dark City ist ein düsterer Science Fiction Thriller aus dem Jahre 1998 (der Directors Cut erschien erst 2008) und handelt von John Murdoch (Rufus Sewell), der mitten in der Nacht in einer Badewanne aufwacht – und sich an überhaupt nichts mehr erinnert. Und als ob das nicht schon Problem genug wäre, muss er auch noch feststellen, dass in seiner Wohnung eine Leiche liegt. So begibt er sich auf die Suche nach seiner Identität, während ihn sowohl die Polizei als auch mysteriöse Graue Wesen verfolgen (welche verdächtig an die Grauen Herren aus Momo erinnern). Auf der Suche nach seiner Identität findet John allerdings auch einiges über seine Umwelt – die namensgebende Dunkle Stadt – heraus. Und so entfaltet sich nach und nach eine herrlich mysteriöse Geschichte rund um die Grauen Menschen, John und einen Wissenschaftler namens Dr. Schreber (Kiefer Sutherland).
Während alle Schauspieler ihre Charaktere akzeptabel porträtieren, ist mir vor allem Kiefer Sutherland in der Rolle des Dr. Schreber positiv aufgefallen. Dieser erinnerte mich während des ganzen Films eher an einen verrückten Wissenschaftler als an die durchaus klischeebehaftete Rolle des Jack Bauer aus 24, in der ich ihn mir sonst immer vorstelle.
Die wahre Kunst von Dark City liegt jedoch weder in der Story, noch in den Schauspielern. Es sind Kamera, Schnitt und Regie die den Film für mich zu einem unverwechselbaren Erlebnis machen. Ein Teil dieses Erlebnisses sind zum Beispiel die extrem kurz geschnittenen Kameraeinstellungen – laut IMDB beträgt die durchschnittliche Länge einer Kameraeinstellung (ASL – Average Shot Length) gerade einmal 1,8 Sekunden. Das sorgt dafür, dass man es selbst bei langwierigen Dialogen nicht wagt, wegzuschauen. Kein Wunder: Sobald man die Augen nur 2 Sekunden abwendet, hat man bereits eine komplette Kameraeinstellung verpasst.
Das trägt zwar zur Stimmung des Filmes bei, ist allerdings vor allem zu Beginn sehr anstrengend. Da der Director’s Cut im Gegensatz zur Kinoversion nämlich keinen erklärenden Monolog am Anfang hat, tappt der Zuseher ziemlich im Dunkeln. In Kombination mit dem schnellen Schnitt entsteht fast schon das Gefühl, man würde mit jeder Szene weniger verstehen.
Auch wenn sich die extrem kurzen Kameraeinstellungen nicht durchgesetzt haben, erinnerten mich Szenen in Dark City immer wieder an Filme, die erst Jahre später erschienen. Bereits eine der ersten Szenen des Films, in der die Kamera von einer Panoramaansicht bis auf ein einzelnes Fenster heranfliegt, erinnert mich an den Beginn von Sin City (2005). Später im Film kommt es unter Anderem auch zu einer Bullet Time, in der ein Objekt direkt vor einer Person in der Luft stehen bleibt – Eine Szene, die wohl jeder aus dem 1999 erschienenen The Matrix kennt.
Dark City ist damit nicht nur ein packender Sci-Fi-Thriller, sondern auch ein Wegbereiter für zahlreiche neuere Filme des gleichen Genres, den eigentlich jeder Fan von Science Fiction gesehen haben sollte.
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