[ ]

4. Dezember 2011 · Kategorie: Filme & Serien · 3 Kommentare

Gute Frage! Schließlich hat der Großteil dessen, was ich hier aktuell schreibe, etwas mit Filmen zu tun. Das liegt daran, dass ich noch nie so viele interessante Filme sah wie in den letzten Wochen und Monaten. Und das, obwohl ich immer schon an Filmen interessiert war. Was hat sich geändert? Nun, ich habe vor kurzem einen meiner Meinung nach sehr klugen Satz gehört, den ich hier furchtbar paraphrasiere weil ich mich nicht mehr an die Quelle erinnere:

There are two kinds of people who call themselves “movie lovers”: The ones who love movies they like, and the ones who love movies.

Kurz zusammengefasst: Es macht einen Unterschied, ob ich Filme mag, die mir persönlich gefallen, oder ob ich Film einfach an sich schon interessant genug finde. Und genau das hat sich bei mir geändert: Früher sah ich Filme in der Hoffnung, sie würden mit persönlich gefallen. Natürlich erhoffe ich das weiterhin bei jedem Film, aber im Grunde sehe ich Filme, weil sie mich interessieren. Egal ob ich den einzelnen Film mag oder nicht.

Ein kleines Beispiel gefällig? The Tree of Life. Vor einem Jahr hätte ich bei diesem Film vermutlich nach 10 Minuten gelangweilt aufgegeben; Heute würde ich ihn als den besten Film des Jahres 2011 bezeichnen. Noch einmal: Was hat sich geändert? Ich sehe den Film nicht aus dem Blickwinkel der Unterhaltung, ich sehe ihn als Kunstwerk. Und da kann The Tree of Life noch so prätentiös, verwirrend und erzkonservativ sein: Selten sah ich einen Film, den ich eher als Kunstwerk bezeichnen würde.

Das heißt natürlich nicht, dass man jeden Film nach diesen Kriterien beurteilen sollte. Wer in Avatar erzählerische Kunst sucht, der wird lange suchen. Trotzdem kann der Film unterhaltsam sein.

Soviel dazu.

Dieser Beitrag wurde ihnen präsentiert von dem Verein für durch Langeweile bedingte philosophische Selbstreflexion.

3. Dezember 2011 · Kategorie: Musik · Keine Kommentare

Nach 4 Jahren ist das siebte Studioalbum von Nightwish nun endlich zu haben. “Imaginaerum” ist jedoch nicht nur ein Musikalbum – es ist auch der Soundtrack zum 2012 erscheinenden, gleichnamigen Film. Und das hört man auch.

Bereits das erste Lied macht klar: Was man da gerade hört ist nicht einfach ein Musikalbum, es versucht gleichzeitig ein Soundtrack zu sein. Und so kommt es, dass Nightwish ihrem neuen Album mit Taikatalvi ein sauberes, wenn auch nicht unbedingt aufregendes Intro verpassen. Direkt danach folgt mit Storytime der wohl poppigste Track des ganzen Albums. Ähnlich wie Amarenth des letzten Albums Dark Passion Play lässt sich auch dieser Song höchstwahrscheinlich gut als Single verkaufen, passt aber nicht wirklich zum Rest des Albums und wird nach dem dritten mal Hören auch langweilig. Man sieht schon: Der Einstieg in Imaginaerum könnte spannender sein.

Trotzdem sollte man jetzt noch nicht aufgeben – schließlich folgt mit Ghost River endlich eine würdige Eröffnung des Albums. Ein bombastisches Intro eröffnet den Song, gefolgt von Anette’s zarter Stimme. Doch es dauert nicht lange, da stürzt sich der Song in einen wunderbar düsteren Refrain im typischen Nightwish-Stil. Während Ghost River hört man auch zum ersten mal den unheimlichen Kinderchor, der während des Albums immer wieder Einzug findet.

Weiter geht es mit Slow, Love, Slow, das seinem Namen gerecht wird. Das Interessanteste an diesem Song sind wohl die für Nightwish untypischen Jazz-Elemente, der Rest ist langweilig. Nach mehr als 5 Minuten endet Slow, Love, Slow mit dem einsamen Geräusch einer Pendeluhr, doch plötzlich: Gitarrenriff! Wir sind beim 5. Song des Albums – I Want My Tears Back, welches mit seinem sehr eingängigen Refrain und einem länglichen Instrumentalteil wunderbar auf meinen persönlichen Höhepunkt des Albums vorbereitet: Scaretale

Scaretale eröffnet mit gruseligen Orchesterklängen und dem bereits aus Ghost River bekannten Kinderchor, gefolgt von atmosphärischen Klängen, die ein wenig an eine Horrorfilmversion eines Zirkus erinnern. Danach setzt wieder das Orchester ein, diesmal begleitet vom richtigen Chor. Es folgt der einzige Einsatz von Double Bass Drums im gesamten Album und auch der Gesang klingt wunderbar bösartig. Wie bereits Slow, Love, Slow macht auch Scaretale seinem Namen alle Ehre – diesmal aber im guten Sinne. Und wie es sich für ein 7:32 langes Stück gehört, hat Scaretale natürlich auch einen interessanten Mittelteil: gruselige Zirkusmusik vom Feinsten!

Danach begibt man sich mit Arabesque, dem ersten Instrumental des Albums, auf eine Reise. Nach den jazzigen Klängen von Slow, Love, Slow gibt es diesmal orientalische Musik. Man sieht schon: An Abwechslung mangelt es Imaginaerum wirklich nicht. Als Nächstes folgt mit Turn Loose The Mermaids die erste gute Ballade des Albums, untermalt von den Trommeln aus Arabesque.

Es wird wieder schwer. Mit Rest Calm folgen brachiale Gitarrenklänge, nur unterbrochen von einem melodischen und fast schon verträumten Refrain. Zwar sind beide Teile sehr gelungen, doch irgendwie wirkt es, als hätte man hier zwei Songs in einen gepackt. Danach gibt es mit The Crow, the Owl and the Dove die zweite und meiner Meinung nach bessere Ballade des Albums – diesmal mit mehr Gitarren. Doch wirklich gut wird das Album erst wieder mit Last Ride of the Day, welches vor allem durch seinen großartigen Refrain und die treibende Perkussion für mich zusammen mit Scaretale zum besten Lied des Albums wird.

Wir nähern uns dem Ende, doch etwas fehlt noch für ein richtiges Nightwish-Album: Das epochale Stück mit mehr als 10 Minuten. Hier kommt Song of Myself ins Spiel, welches mit seinen 13 Minuten Länge und dem Orchesterintro auf den ersten Blick genau in diese Kategorie fällt. Und tatsächlich gibt es 7 Minuten lang ein wunderbar episches Feuerwerk, doch dann schwingt das Lied plötzlich um und für die zweite Hälfte gibt es gesprochene Monologe und Hintergrundmusik. Das wäre zwar ein guter einminütiger Mittelteil gewesen und macht mit dem dazugehörigen Film vielleicht auch Sinn, ist aber definitiv zu lang. Zum Ende gibt es mit Imaginaerum das zweite Instrumental des Albums. Vor dem inneren Auge läuft der Abspann des Films, im Kino wird’s wohl genau so werden.

Alles in Allem ist Imaginaerum ein stimmungsvolles und extrem abwechslungsreiches Album. Mit dieser Vielfältigkeit ist zwar der eine oder andere Griff ins Klo verbunden, gleichzeitig sorgt sie aber auch dafür, dass das Album auch nach häufigem Hören nicht langweilig wird.

26. November 2011 · Kategorie: Allgemein · 4 Kommentare

19. November 2011 · Kategorie: Filme & Serien · 1 Kommentar

Irgendwie verfolgte mich Dark City. Zuerst versäume ich ihn auf ARTE, dann wird er mir auf Goodfil.ms empfohlen, und dann schreibt auch noch der Nasendackel drüber. Da blieb mir eigentlich gar nichts anderes übrig, als mir den Film (im Directors Cut) anzusehen – und eines kann ich bereits jetzt sagen: Dark City war wohl Inspiration für so manch anderen bekannten Sci-Fi-Film, ist selbst allerdings leider viel zu unbekannt.

Aber der Reihe nach: Dark City ist ein düsterer Science Fiction Thriller aus dem Jahre 1998 (der Directors Cut erschien erst 2008) und handelt von John Murdoch (Rufus Sewell), der mitten in der Nacht in einer Badewanne aufwacht – und sich an überhaupt nichts mehr erinnert. Und als ob das nicht schon Problem genug wäre, muss er auch noch feststellen, dass in seiner Wohnung eine Leiche liegt. So begibt er sich auf die Suche nach seiner Identität, während ihn sowohl die Polizei als auch mysteriöse Graue Wesen verfolgen (welche verdächtig an die Grauen Herren aus Momo erinnern). Auf der Suche nach seiner Identität findet John allerdings auch einiges über seine Umwelt – die namensgebende Dunkle Stadt – heraus. Und so entfaltet sich nach und nach eine herrlich mysteriöse Geschichte rund um die Grauen Menschen, John und einen Wissenschaftler namens Dr. Schreber (Kiefer Sutherland).

Während alle Schauspieler ihre Charaktere akzeptabel porträtieren, ist mir vor allem Kiefer Sutherland in der Rolle des Dr. Schreber positiv aufgefallen. Dieser erinnerte mich während des ganzen Films eher an einen verrückten Wissenschaftler als an die durchaus klischeebehaftete Rolle des Jack Bauer aus 24, in der ich ihn mir sonst immer vorstelle.

Die wahre Kunst von Dark City liegt jedoch weder in der Story, noch in den Schauspielern. Es sind Kamera, Schnitt und Regie die den Film für mich zu einem unverwechselbaren Erlebnis machen. Ein Teil dieses Erlebnisses sind zum Beispiel die extrem kurz geschnittenen Kameraeinstellungen – laut IMDB beträgt die durchschnittliche Länge einer Kameraeinstellung (ASL – Average Shot Length) gerade einmal 1,8 Sekunden. Das sorgt dafür, dass man es selbst bei langwierigen Dialogen nicht wagt, wegzuschauen. Kein Wunder: Sobald man die Augen nur 2 Sekunden abwendet, hat man bereits eine komplette Kameraeinstellung verpasst.

Das trägt zwar zur Stimmung des Filmes bei, ist allerdings vor allem zu Beginn sehr anstrengend. Da der Director’s Cut im Gegensatz zur Kinoversion nämlich keinen erklärenden Monolog am Anfang hat, tappt der Zuseher ziemlich im Dunkeln. In Kombination mit dem schnellen Schnitt entsteht fast schon das Gefühl, man würde mit jeder Szene weniger verstehen.

Auch wenn sich die extrem kurzen Kameraeinstellungen nicht durchgesetzt haben, erinnerten mich Szenen in Dark City immer wieder an Filme, die erst Jahre später erschienen. Bereits eine der ersten Szenen des Films, in der die Kamera von einer Panoramaansicht bis auf ein einzelnes Fenster heranfliegt, erinnert mich an den Beginn von Sin City (2005). Später im Film kommt es unter Anderem auch zu einer Bullet Time, in der ein Objekt direkt vor einer Person in der Luft stehen bleibt – Eine Szene, die wohl jeder aus dem 1999 erschienenen The Matrix kennt.

Dark City ist damit nicht nur ein packender Sci-Fi-Thriller, sondern auch ein Wegbereiter für zahlreiche neuere Filme des gleichen Genres, den eigentlich jeder Fan von Science Fiction gesehen haben sollte.

15. November 2011 · Kategorie: Filme & Serien · 3 Kommentare

“Jeff. Playtime is over!”

Spätestens bei diesen Worten sollte einem klar sein, dass man sich mit “Hard Candy” keinen einfachen Film ausgesucht hat. Stattdessen darf man sich ab dieser Szene auf mehr als eine Stunde unbequemes Katz- und Mausspiel, Folter und Gewalt vorbereiten. Denn so freundlich die Hauptcharaktere, eine 14-jährige Schülerin und ein signifikant älterer Fotograph, auch auf den ersten Blick wirken mögen, sie haben es beide Faustdick hinter den Ohren. Und so kommt es zum Aufeinandertreffen einer selbstdeklarierten Wahnsinnigen mit einem ungeständigen Pädophilen.

Eine solch außergewöhnliche Kombination fordert natürlich auch dementsprechend außergewöhnliche schauspielerische Leistungen – und diese liefern sowohl Patrick Wilson (Watchmen) als auch Ellen Page (Inception). Beide porträtieren ihre Charaktere absolut glaubwürdig und zeigen so, dass auch ein Billigfilm (für Hollywood-Verhältnisse) überzeugende Schauspieler haben kann. Sie sind zwar die einzigen Schauspieler, die wirklich Text haben, doch gerade durch die Konzentration auf 2 Personen kommt es erst zu der unglaublich mitreisenden Dynamik zwischen den beiden Hauptrollen.

Aber zurück zum Film: Dieser übertritt, wie die Einleitung bereits vermuten lässt, einige Grenzen dessen, was manch Zuseher als “guten Geschmack” bezeichnen würde. Dabei werden jedoch nicht stumpf Tabus gebrochen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Die Handlungen der Hauptdarsteller waren zumindest für mich zwar teilweise überraschend, aber im Nachhinein immer nachvollziehbar, und jede Aktion zieht auch eine Konsequenz nach sich.

Genau diese Konsequenzen konnte die Regie aufgrund des knappen Budgets wohl bei einigen Szenen nicht ziehen, was dazu führt, dass man dem Film deutlich ansieht, dass er in gerade einmal 18 Tagen gedreht wurde. Sei es aufgrund eigenartiger Kameraarbeit oder plötzlicher Belichtungswechsel – einige Szenen hätte man auch gerne noch ein drittes- oder viertes mal drehen können. So wandelt Hard Candy zwischen wunderbar stimmigen Kameraperspektiven und Shaky Cam; Ein Umstand, der zwar auffällt, aber nicht wirklich von der eigentlichen Handlung ablenkt.

Alles in Allem würde ich Hard Candy jedem empfehlen, der kein Problem mit unbequemen Filmen hat, die zum Nachdenken anregen und in denen die Rollen des Guten und Bösen nicht von Anfang an klar vergeben sind. Ich persönlich mag solche Filme, weshalb mir Hard Candy aussergewöhnlich gut gefallen hat.

31. Oktober 2011 · Kategorie: Musik · 2 Kommentare

Wenn es um Audioqualität geht, gehöre ich zu den Menschen, die eigentlich nie zufrieden sind. Im Moment liegen 4 Kopfhörer auf meinem Schreibtisch – 2 In-Ears, 2 Große mit Bügel; Meine Musikanlage ist eine Eigenkombination aus 2 älteren Stereo-Anlagen und einer 5.1-Anlage. Und obwohl ich keine vergoldeten Kabel kaufe, war ich jahrelang davon überzeugt, komprimierte Musik blind von unkomprimierter unterscheiden zu können. Da mir aber schön langsam der Speicherplatz ausgeht, habe ich beschlossen, diese Fähigkeit zu testen, um herauszufinden, ob ich nicht doch auf AAC-Dateien umsteigen kann.

Der Test

Für diesen Test habe ich 10 Lieder ausgewählt, jedes in 128 und 256 kbit/s AAC sowie unkomprimiert (zwischen 800 und 1100 kbit/s) angehört und dann versucht, sie richtig zuzuordnen. Danach habe ich sie noch einmal gehört, diesmal wissend, welche Versionen die komprimierten sind. Ich habe hierbei bewusst nicht ein THX-zertifiziertes Lautsprecherset in einer Studioumgebung getestet. Stattdessen habe ich die Musik so gehört, wie ich sie 90% der Zeit genieße: Mit meinen Ultimate Ears Super fi.5 In-Ear Kopfhörern. Und meine Vermutung wurde zumindest teilweise bestätigt: Ich konnte jede 128 kbit Version sofort erkennen. Bei den 256ern wurde es allerdings bereits schwerer. Hier sind meine Ergebnisse:

Dropkick Murphys – The Gauntlet

Die AAC-Version rauscht bei lauten Stellen, Artefakte sind deutlich hörbar.

Metallica – All Nightmare Long

Der AAC-Version fehlt etwas Dynamik, der Unterschied ist allerdings kaum hörbar.

Billy Talent – Fallen Leaves

Die Kompression ist vor allem beim Schlagzeug deutlich hörbar. Der Drummer wird sich freuen!

Bob Dylan – The Times Are A-Changin’

Kein Unterschied hörbar.

Daft Punk – Derezzed

Kein Unterschied hörbar.

Soap and Skin – DDMMYYYY

Die AAC-Version ist im Bass etwas detailarm, der Unterschied ist allerdings nur bei mehrmaligem Wiederholen hörbar.

Blues Traveler – Hook

Kein Unterschied hörbar.

Green Day – Homecoming

In der Lossless-Version setzt bei 0:50 das Schlagzeug ein, bei der AAC-Version kommt zusätzlich noch Rauschen dazu.

Nightwish – Phantom of the Opera

Bei lauteren und komplexeren Stellen sind deutlich Artefakte hörbar, aus einzelnen Instrumenten wird ein gemeinsamer “Brei” von Klängen.

Ludwig van Beethoven – 9. Sinfonie, 2. Satz

Der AAC-Version fehlt etwas Dynamik, der Unterschied ist allerdings kaum hörbar.

Schlüsse

AAC ist ein extrem guter Audiocodec – nur bei 2 Musikstücken konnte ich störende Artefakte erkennen. Bei den meisten Songs äußert sich die Kompression nur durch fehlende Details oder einer etwas eingeschränkten Dynamik – beides Symptome, die zumindest mir nur dann auffallen, wenn ich aktiv danach suche. Bei nicht allzu komplexer Musik ist überhaupt kein Unterschied erkennbar.

Ich schließe daraus, dass ich meine Zweifel bezüglich AAC aufgeben kann. Ich werde meine unkomprimierte Musik zwar bestimmt nicht löschen, kann mir aber durchaus vorstellen die Originale am Fileserver zu archivieren und nur die AAC-Versionen dabei zu haben.

Wie geht es euch mit komprimierter Musik? Habt ihr empfindliche Ohren oder reichen euch die weißen Apple-Kopfhörer und Musik von Youtube? Bei welcher Kompressionsrate liegt bei euch die “Schmerzgrenze”, also der Punkt, an dem ihr euch nicht mehr auf die Musik konzentrieren könnt, weil die Artefakte zu sehr stören?

30. Oktober 2011 · Kategorie: Musik · 1 Kommentar

Lulu cover

Als Metallica und Lou Reed bekannt gaben, an einem gemeinsamen Album zu arbeiten, war ich skeptisch. Als großer Fan von Metallica, der sich eigentlich nie besonders für Lou Reed interessiert hat, hatte ich gehofft, dass letzterer nur die Lyrics beisteuert und das Album somit wenigstens musikalisch brauchbar wird. Daraus ist wohl nichts geworden.

Eines vorweg: Lulu ist schlecht. Es ist unglaublich schlecht. Es ist so schlecht, dass ich es mir nicht antun werde, es noch einmal komplett durchzuhören um jeden Song einzeln zu bewerten. Stattdessen werde ich das Album als Gesamtheit kritisieren, denn die meisten Kritikpunkte treffen sowieso auf alle Lieder zu.

Die Lyrics von Lulu sind, um es milde auszudrücken, peinlich. Selten habe ich Texte gehört, die so verzweifelt versuchten, kontrovers und provozierend zu sein, dass sie in die Lächerlichkeit abglitten.

So eröffnet das Album mit den Worten “I would cut my legs and tits off/when I think of Boris Karloff”, während James Hetfield im Hintergrund minutenlang “Small town girl” gröhlt. Später präsentiert sich das Album aber auch von seiner charmanten Seite, mit Zeilen wie “to be dry and sperm-less, like a girl”, “I swallow your sharpest cutter / like a colored man’s dick / blood spurting from me” oder dem intellektuell höchst anspruchsvollen “I am the table”.

Zur Verteidigung von Lou Reed sollte man allerdings erwähnen, dass die Texte an die Theaterstücke von Frank Wedekind angelehnt sind. Es könnte also durchaus möglich sein, dass das Album etwas mehr Sinn ergäbe, wenn ich dessen Werke kennen würde.

Doch auch wenn man die haarsträubende Sinnlosigkeit der Lyrics ignoriert wird die darunterliegende Musik nicht besser. Die meisten Lieder klingen, als hätte jemand beim Mischen die falschen Spuren übereinander gelegt. Die Instrumente sind nicht aufeinander abgestimmt, es kommt kein Rhythmus zustande. Die meisten Tracks treiben vor sich hin, als würden sie auf etwas Großes vorbereiten, das aber bis zum Schluss nicht eintritt. Stattdessen endet Lulu nach 87 folterähnlichen Minuten mit Junior Dad in einem Lied, das vielleicht eine funktionierende Rockbalade geworden wäre, wenn es nicht komplett abwechslungslos 20 Minuten (!!) lang dahinkriechen würde.

So bleibt Lulu eine Ansammlung lahmer und komplett willkürlich kombinierter Riffs, gepaart mit sinnlosen und im Sprechgesang vorgetragenen Texten. Auf einer Skala von 1 bis 10 gibt das 0 Punkte.

Wer sich selbst überzeugen möchte, kann das gesamte Album online anhören

26. Oktober 2011 · Kategorie: Politik · 3 Kommentare

25 Gründe, Österreich trotzdem zu mögen

So titelt heute anlässlich des Nationalfeiertages eine regionale Zeitung. In dem Artikel kommen dann Prominente aller Gebiete zu Wort, deren Statements folgendem Muster entsprechen:

“Ich weiß, dass X in Österreich schief läuft, aber ich finde das Land trotzdem toll, und zwar wegen der Berge/der Seen/weil ich schon immer hier war.”

Sind solch weichgespülte Platzhaltertexte wirklich das Kritischste, das eine Zeitung an einem Feiertag zu schreiben wagt? Außerdem: Berge und Seen hätten wir auch, wenn wir Teil von Italien wären. Am Nationalfeiertag geht es um die NATION Österreich, nicht die Landschaft; Sonst wäre es der Landschaftsfeiertag. Und “weil es schon immer so war” lasse ich generell nicht als Begründung gelten, denn genau die Leute, die mit der aktuellen Situation nicht zufrieden waren, sind die, wegen denen es uns heute so gut geht.

Deshalb präsentiere ich

5 Dinge, die man in Österreich auch heute nicht gutreden sollte

  1. Korruption. Anhand der aktuellen Korruptionsaffären frage ich mich ernsthaft, welches Mitglied der regierenden Parteien nicht käuflich ist.
  2. Stillstand: Regierende Politiker sind offenbar unfähig, auch nur die kleinste Veränderung zu riskieren. So kommt man zu Lösungen wie z.B. einer Bildungsreform, die darin besteht, Hauptschulen in Neue Mittelschulen umzubenennen (wofür man übrigens einen jahrelangen Schulversuch brauchte)
  3. Bundesheer: Der Nationalfeiertag ist am Tag der Neutralitätsbekundung, und was präsentieren wir an diesem Tag? Unsere stehende Armee. Und als ob das nicht schon absurd genug wäre, muss auch noch jeder 18-jährige dorthin, sofern er sich nicht explizit für den Zivildienst meldet, welcher allerdings um die Hälfte länger dauert. Der einzige Zweck, den ein Heer meiner Meinung nach in einem neutralen Land ohne Schengen-Außengrenze einnimmt, ist der Katastrophendienst. Und einen solchen kann man auch ohne Schusswaffen, Abfangjäger und Panzer betreiben.
  4. Integration: Aktuelle Umfragen geben der FPÖ bis zu 30%. Noch Fragen?
  5. Religion: Die katholische Kirche erhält nicht nur jährlich Millionen vom Staat und darf Missbrauchsfälle unabhängig von normalen Gerichten behandeln, es hängen auch immer noch Kreuze in allen Schul- und Kindergartenklassen. Ich verstehe etwas anderes unter der Trennung von Kirche und Staat.

Ja, unsere Berge, Seen und Burgen sind etwas, auf das ich stolz bin, und das ich gerne herzeige. Ja, ich glaube, dass es mir in Österreich vergleichsweise gut geht. Nein, das heißt nicht, dass man akute Probleme einfach ignorieren sollte, weil heute nationaler “Wir sind ja so toll”-Tag ist.