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3. Dezember 2011 · Kategorie: Musik · Keine Kommentare

Nach 4 Jahren ist das siebte Studioalbum von Nightwish nun endlich zu haben. “Imaginaerum” ist jedoch nicht nur ein Musikalbum – es ist auch der Soundtrack zum 2012 erscheinenden, gleichnamigen Film. Und das hört man auch.

Bereits das erste Lied macht klar: Was man da gerade hört ist nicht einfach ein Musikalbum, es versucht gleichzeitig ein Soundtrack zu sein. Und so kommt es, dass Nightwish ihrem neuen Album mit Taikatalvi ein sauberes, wenn auch nicht unbedingt aufregendes Intro verpassen. Direkt danach folgt mit Storytime der wohl poppigste Track des ganzen Albums. Ähnlich wie Amarenth des letzten Albums Dark Passion Play lässt sich auch dieser Song höchstwahrscheinlich gut als Single verkaufen, passt aber nicht wirklich zum Rest des Albums und wird nach dem dritten mal Hören auch langweilig. Man sieht schon: Der Einstieg in Imaginaerum könnte spannender sein.

Trotzdem sollte man jetzt noch nicht aufgeben – schließlich folgt mit Ghost River endlich eine würdige Eröffnung des Albums. Ein bombastisches Intro eröffnet den Song, gefolgt von Anette’s zarter Stimme. Doch es dauert nicht lange, da stürzt sich der Song in einen wunderbar düsteren Refrain im typischen Nightwish-Stil. Während Ghost River hört man auch zum ersten mal den unheimlichen Kinderchor, der während des Albums immer wieder Einzug findet.

Weiter geht es mit Slow, Love, Slow, das seinem Namen gerecht wird. Das Interessanteste an diesem Song sind wohl die für Nightwish untypischen Jazz-Elemente, der Rest ist langweilig. Nach mehr als 5 Minuten endet Slow, Love, Slow mit dem einsamen Geräusch einer Pendeluhr, doch plötzlich: Gitarrenriff! Wir sind beim 5. Song des Albums – I Want My Tears Back, welches mit seinem sehr eingängigen Refrain und einem länglichen Instrumentalteil wunderbar auf meinen persönlichen Höhepunkt des Albums vorbereitet: Scaretale

Scaretale eröffnet mit gruseligen Orchesterklängen und dem bereits aus Ghost River bekannten Kinderchor, gefolgt von atmosphärischen Klängen, die ein wenig an eine Horrorfilmversion eines Zirkus erinnern. Danach setzt wieder das Orchester ein, diesmal begleitet vom richtigen Chor. Es folgt der einzige Einsatz von Double Bass Drums im gesamten Album und auch der Gesang klingt wunderbar bösartig. Wie bereits Slow, Love, Slow macht auch Scaretale seinem Namen alle Ehre – diesmal aber im guten Sinne. Und wie es sich für ein 7:32 langes Stück gehört, hat Scaretale natürlich auch einen interessanten Mittelteil: gruselige Zirkusmusik vom Feinsten!

Danach begibt man sich mit Arabesque, dem ersten Instrumental des Albums, auf eine Reise. Nach den jazzigen Klängen von Slow, Love, Slow gibt es diesmal orientalische Musik. Man sieht schon: An Abwechslung mangelt es Imaginaerum wirklich nicht. Als Nächstes folgt mit Turn Loose The Mermaids die erste gute Ballade des Albums, untermalt von den Trommeln aus Arabesque.

Es wird wieder schwer. Mit Rest Calm folgen brachiale Gitarrenklänge, nur unterbrochen von einem melodischen und fast schon verträumten Refrain. Zwar sind beide Teile sehr gelungen, doch irgendwie wirkt es, als hätte man hier zwei Songs in einen gepackt. Danach gibt es mit The Crow, the Owl and the Dove die zweite und meiner Meinung nach bessere Ballade des Albums – diesmal mit mehr Gitarren. Doch wirklich gut wird das Album erst wieder mit Last Ride of the Day, welches vor allem durch seinen großartigen Refrain und die treibende Perkussion für mich zusammen mit Scaretale zum besten Lied des Albums wird.

Wir nähern uns dem Ende, doch etwas fehlt noch für ein richtiges Nightwish-Album: Das epochale Stück mit mehr als 10 Minuten. Hier kommt Song of Myself ins Spiel, welches mit seinen 13 Minuten Länge und dem Orchesterintro auf den ersten Blick genau in diese Kategorie fällt. Und tatsächlich gibt es 7 Minuten lang ein wunderbar episches Feuerwerk, doch dann schwingt das Lied plötzlich um und für die zweite Hälfte gibt es gesprochene Monologe und Hintergrundmusik. Das wäre zwar ein guter einminütiger Mittelteil gewesen und macht mit dem dazugehörigen Film vielleicht auch Sinn, ist aber definitiv zu lang. Zum Ende gibt es mit Imaginaerum das zweite Instrumental des Albums. Vor dem inneren Auge läuft der Abspann des Films, im Kino wird’s wohl genau so werden.

Alles in Allem ist Imaginaerum ein stimmungsvolles und extrem abwechslungsreiches Album. Mit dieser Vielfältigkeit ist zwar der eine oder andere Griff ins Klo verbunden, gleichzeitig sorgt sie aber auch dafür, dass das Album auch nach häufigem Hören nicht langweilig wird.

15. November 2011 · Kategorie: Filme & Serien · 3 Kommentare

“Jeff. Playtime is over!”

Spätestens bei diesen Worten sollte einem klar sein, dass man sich mit “Hard Candy” keinen einfachen Film ausgesucht hat. Stattdessen darf man sich ab dieser Szene auf mehr als eine Stunde unbequemes Katz- und Mausspiel, Folter und Gewalt vorbereiten. Denn so freundlich die Hauptcharaktere, eine 14-jährige Schülerin und ein signifikant älterer Fotograph, auch auf den ersten Blick wirken mögen, sie haben es beide Faustdick hinter den Ohren. Und so kommt es zum Aufeinandertreffen einer selbstdeklarierten Wahnsinnigen mit einem ungeständigen Pädophilen.

Eine solch außergewöhnliche Kombination fordert natürlich auch dementsprechend außergewöhnliche schauspielerische Leistungen – und diese liefern sowohl Patrick Wilson (Watchmen) als auch Ellen Page (Inception). Beide porträtieren ihre Charaktere absolut glaubwürdig und zeigen so, dass auch ein Billigfilm (für Hollywood-Verhältnisse) überzeugende Schauspieler haben kann. Sie sind zwar die einzigen Schauspieler, die wirklich Text haben, doch gerade durch die Konzentration auf 2 Personen kommt es erst zu der unglaublich mitreisenden Dynamik zwischen den beiden Hauptrollen.

Aber zurück zum Film: Dieser übertritt, wie die Einleitung bereits vermuten lässt, einige Grenzen dessen, was manch Zuseher als “guten Geschmack” bezeichnen würde. Dabei werden jedoch nicht stumpf Tabus gebrochen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Die Handlungen der Hauptdarsteller waren zumindest für mich zwar teilweise überraschend, aber im Nachhinein immer nachvollziehbar, und jede Aktion zieht auch eine Konsequenz nach sich.

Genau diese Konsequenzen konnte die Regie aufgrund des knappen Budgets wohl bei einigen Szenen nicht ziehen, was dazu führt, dass man dem Film deutlich ansieht, dass er in gerade einmal 18 Tagen gedreht wurde. Sei es aufgrund eigenartiger Kameraarbeit oder plötzlicher Belichtungswechsel – einige Szenen hätte man auch gerne noch ein drittes- oder viertes mal drehen können. So wandelt Hard Candy zwischen wunderbar stimmigen Kameraperspektiven und Shaky Cam; Ein Umstand, der zwar auffällt, aber nicht wirklich von der eigentlichen Handlung ablenkt.

Alles in Allem würde ich Hard Candy jedem empfehlen, der kein Problem mit unbequemen Filmen hat, die zum Nachdenken anregen und in denen die Rollen des Guten und Bösen nicht von Anfang an klar vergeben sind. Ich persönlich mag solche Filme, weshalb mir Hard Candy aussergewöhnlich gut gefallen hat.

30. Oktober 2011 · Kategorie: Musik · 1 Kommentar

Lulu cover

Als Metallica und Lou Reed bekannt gaben, an einem gemeinsamen Album zu arbeiten, war ich skeptisch. Als großer Fan von Metallica, der sich eigentlich nie besonders für Lou Reed interessiert hat, hatte ich gehofft, dass letzterer nur die Lyrics beisteuert und das Album somit wenigstens musikalisch brauchbar wird. Daraus ist wohl nichts geworden.

Eines vorweg: Lulu ist schlecht. Es ist unglaublich schlecht. Es ist so schlecht, dass ich es mir nicht antun werde, es noch einmal komplett durchzuhören um jeden Song einzeln zu bewerten. Stattdessen werde ich das Album als Gesamtheit kritisieren, denn die meisten Kritikpunkte treffen sowieso auf alle Lieder zu.

Die Lyrics von Lulu sind, um es milde auszudrücken, peinlich. Selten habe ich Texte gehört, die so verzweifelt versuchten, kontrovers und provozierend zu sein, dass sie in die Lächerlichkeit abglitten.

So eröffnet das Album mit den Worten “I would cut my legs and tits off/when I think of Boris Karloff”, während James Hetfield im Hintergrund minutenlang “Small town girl” gröhlt. Später präsentiert sich das Album aber auch von seiner charmanten Seite, mit Zeilen wie “to be dry and sperm-less, like a girl”, “I swallow your sharpest cutter / like a colored man’s dick / blood spurting from me” oder dem intellektuell höchst anspruchsvollen “I am the table”.

Zur Verteidigung von Lou Reed sollte man allerdings erwähnen, dass die Texte an die Theaterstücke von Frank Wedekind angelehnt sind. Es könnte also durchaus möglich sein, dass das Album etwas mehr Sinn ergäbe, wenn ich dessen Werke kennen würde.

Doch auch wenn man die haarsträubende Sinnlosigkeit der Lyrics ignoriert wird die darunterliegende Musik nicht besser. Die meisten Lieder klingen, als hätte jemand beim Mischen die falschen Spuren übereinander gelegt. Die Instrumente sind nicht aufeinander abgestimmt, es kommt kein Rhythmus zustande. Die meisten Tracks treiben vor sich hin, als würden sie auf etwas Großes vorbereiten, das aber bis zum Schluss nicht eintritt. Stattdessen endet Lulu nach 87 folterähnlichen Minuten mit Junior Dad in einem Lied, das vielleicht eine funktionierende Rockbalade geworden wäre, wenn es nicht komplett abwechslungslos 20 Minuten (!!) lang dahinkriechen würde.

So bleibt Lulu eine Ansammlung lahmer und komplett willkürlich kombinierter Riffs, gepaart mit sinnlosen und im Sprechgesang vorgetragenen Texten. Auf einer Skala von 1 bis 10 gibt das 0 Punkte.

Wer sich selbst überzeugen möchte, kann das gesamte Album online anhören